Rückblick auf den Skoliosetag 2019 in Lüneburg

Vorträge zum 11. Skoliosetag, Lüneburg, am 21. September 

Das Wochenende rund um die Mitgliederversammlung und den Skoliose- und Jugendtag am 21. September in Lüneburg ist erfolgreich zu Ende gegangen. 

Wir danken allen Beteiligten, Gästen und Mitgliedern für eine tolle Veranstaltung und die gute Stimmung! Aus 5 Ländern und 15 Bundesländern waren die Besucher und Helfer angereist. Es gab wieder mal neue Informationen, regen Austausch und ein wissbegieriges Publikum. 

Auch die Jugendlichlichen hatten wieder reichlich Spaß!

In unserer Verbandszeitung erfahren Sie mehr. Sollten Sie Interesse an den Vorträgen haben, setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung.

Referentin: Kirsten Schmiegelt

Personal- und Businesscoach,   Frankfurt am Main 

Die Diagnose jeder chronischen Krankheit ist erstmal ein Schock, meistens nicht nur für die direkt Betroffenen, sondern auch für die Angehörigen. Unsicherheit und Zweifel kommen auf, und die Gefühle fahren in der Regel Achterbahn. Angst, Wut, vorübergehende Verzweiflung, aber auch vorsichtiger Optimismus und neue Tatkraft können sich die Hand geben. Und über allem thronen die Fragen: „Was muss ich ab jetzt ändern, womit sollte ich aufhören, was kann weitergehen, und was ist ab jetzt auf neue Weise möglich?“ Die Bewältigung von Skoliose beinhaltet einen großen Teil an Eigenverantwortung und -motivation. Physiotherapie, regelmäßige Bewegung, das Tragen eines Korsetts können oft mehr als negative Belastung und weniger als positive Gesundheitsförderung aufgefasst werden. Wir möchten unser „normales Leben“ zurück und versuchen oft das, was uns gut tut, aber mit der Krankheit in Verbindung steht, abzuwehren. Zu guter Letzt versuchen vielleicht noch die Menschen, die uns am nächsten stehen, diesbezüglich Druck auf uns auszuüben. Sie meinen es gut, und möchten, dass wir alles uns Mögliche tun, um die Skoliose möglichst klein zu halten. Aber ganz ehrlich: Das kann ganz schön nerven. Wir fühlen uns fremdbestimmt und haben keine Lust, dieser Fremdbestimmung zu gehorchen. Widerstand, fehlende Motivation und Aggression gegen uns selbst und Andere können oft die Folge sein. Vom Kopf her wissen wir natürlich, was wir tun sollten, aber unsere Gefühle und der Widerwillen sind oft stärker. Der innere Schweinehund kann ein harter Gegner sein, und nur allzu oft lassen wir ihn gewinnen – meist mit „guten“ Argumenten und Entschuldigungen. Wie schaffen wir es, für uns selbst gut zu sorgen und die Verantwortung für unsere Gesundheit selbstbewusst und positiv zu übernehmen? Kirsten Schmiegelt zeigt in ihrem interaktiven Vortrag, wie es gelingen kann, vom lähmenden „Ich muss-Modus“ in den selbstbestimmten „Ich will-Modus“ zu gelangen und die Skoliose und die damit verbundenen Herausforderungen nicht nur zu meistern sondern für die eigene Entwicklung positiv zu nutzen.

Referentin: Ketevan Lashkhi

Fachärztin für Radiologie, Neuss

Der Begriff Strahlung umfasst das gesamte Spektrum der elektromagnetischen Wellen, wie das sichtbare Licht, das UV-Licht, die Röntgen- und die Gammastrahlung. Je nach Art der Wechselwirkung mit der Materie unterscheidet man ionisierende (wie Röntgen-, Höhen-, Alpha-, Beta-, Gamma- und UV-Strahlung) und nichtionisierende Strahlung. Radioaktivität ist die Quelle der Teilchenstrahlen, wie Alpha- und Betastrahlung. Die Einheit Sievert (Sv) dient zur Bestimmung der Strahlenbelastung biologischer Organismen und wird bei der Analyse des Strahlenrisikos verwendet. 1 Sievert = 1000 Millisievert (mSv). Der Mensch ist ständig einer geringen Strahlung ausgesetzt. Sie kommt aus dem All, aus dem Erdboden, aus den radioaktiven Spuren im Gestein. Die natürliche Strahlenbelastung (kosmische, terrestrische Strahlung sowie die Aufnahme natürlicher radioaktiver Stoffe) beträgt für einen in Deutschand lebenden Menschen ein 2,1-2,4 Millisievert im Jahr. Hinzu kommt noch die zivilisatorische Strahlenbelastung (Anwendung der Röntgenstrahlung in der Technik, Forschung und in der Medizin) von ca. 2,0 mSv/a. Die Röntgenstrahlung wird in der Röntgenröhre erzeugt. Die frühere konventionelle Radiographie-Technik mit dem Film-Folien-System wurde durch die digitale Radiographie mit Röntgenspeicherfolien und/oder mit Festkörperdetektoren ersetzt. Der Hauptvorteil der digitalen Radiographie ist die verminderte Strahlenbelastung. Der Einsatz des Röntgens in der Skoliosebehandlung ist unabdingbar. Zur Verifizierung der Diagnose wird ein Röntgenbild der gesamten Wirbelsäule im Stehen in zwei Ebenen erstellt. Es wird geröntgt um: das Ausmaß und die Form der Skoliose zu erkennen; den Ort der Skoliose-HWS, BWS, LWS zu bestimmen; den Cobb-Winkel zu messen; die Skelettreife am Beckenkamm für die Prognose-Einschätzung zu bestimmen; den Schulter- und Beckenstand zu beurteilen; die Rotationsfehlstellung der Wirbelkörper zu erfassen; die anderen Fehlbildungen der Wirbelsäule auszuschließen; die Progredienz der bereits festgestellten Skoliose früh zu erkennen; die Therapie anzupassen und die Stellung der Wirbelsäule im Korsett zu überprüfen (nur mit Röntgen möglich!). Die Gefährlichkeit der Röntgenstrahlung erklärt sich durch die ionisierende Wirkung – die Fähigkeit der Röntgenstrahlung, die chemischen Bindungen in der Doppelspirale der Zell-DNA aufzubrechen. Die Schäden der DNA der Körperzellen und der Keimzellen (Eizelle, Spermien) können zu Krebs- bzw. zu vererbbaren Erkrankungen führen. 99,9% der DNA-Schäden werden durch die körpereigenen Reparaturmechamismen beseitigt.

Mehrere Studien belegen die erhöhte Krebs- und Brustkrebsinzidenz nach häufigen Röntgenuntersuchungen (Nash et al. 1979; Doody et al. 2000; Simony et al. 2016). Durch die Einführung der modernen Röntgentechnologie und der digitalen Radiographie wurden die strahleninduzierten Risiken erheblich gesenkt. Nash et al. 1979 und Levy et al. 1996 zeigten eine mehrfache Senkung des Schilddrüsen- und Brustkrebsrisikos beim Röntgen der Wirbelsäule in der postero-anterioren anstatt in der antero-posterioren Projektion. Die neuartige EOS Röntgenarbeitsstation ermöglicht eine 60-90%-ige Senkung der Dosis (Zarghooni 2011, Hui 2016). Z. B. belastet eine Röntgenaufnahme des Thorax mit 0,02-0,04 mSv; ein transatlantik Flug hin und zurück nach New York mit 0,05-0,07 mSv; Mammographie bds. je 2 Eb. mit 0,2-0,4 mSv; eine CT des Bauches mit 8-20 mSv. Die effektive Dosis für die Aufnahme der ganzen Wirbelsäule in 2 Eb. mit EOS ergibt 0,086-0,140 mSv (Law 2017), noch weniger mit EOS micro dose Protokoll 0,00254-0,01475 mSv (Law 2018). Die strahlenfreien oberflächentomographischen Methoden liefern eine abweichende Messung des Cobb-Winkels (Knott et al. 2016, Hackenberget et al. 2000). Jedoch wird das Potential der Videorasterstereographie in der Verlaufskontrolle der idiopathischen Skoliose diskutiert.

3. Gerätetraining mit Kieser & Co - auch bei Skoliose sinnvoll?

Referentin: Dr. med Beate Rothermel

Diplom Ärztliche Osteopathie,  Manuelle Medizin/ Chirotherapie  Spiraldynamik®, Medizinische Kräftigungstherapie, Berlin

Die effektive Behandlung einer Skoliose im Kindes- und Jugendalter beginnt mit ihrer rechtzeitigen klinischen Diagnosestellung. Die idiopathische Adoleszentenskoliose stellt die häufigste Skolioseform dar. Allerdings dürfen neuromuskuläre Erkrankungen oder angeborene Fehlbildungen als Ursachen nicht übersehen werden. Durch die enge Zusammenarbeit von Spezialisten gibt es heute für die idiopathische Skoliose Leitlinien, die eine zielgerichtete Therapie erleichtern. Nur durch die regelmäßige Kontrolle betroffener Kinder und Jugendlicher und die rechtzeitige Einleitung einer adäquaten Behandlung, können die langfristigen negativen Auswirkungen einer progredienten Skoliose auf die Lebensqualität vermieden werden. Verschiedene konservative Therapiemaßnahmen, wie Krankengymnastik, Schroth Therapie, Casting und Korsetttherapie, sind in der Behandlung von zentraler Bedeutung und seit langem etabliert. Weiss, Santos und Hammelbeck (2011) beschreiben, dass die Evidenzlage zur konservativen Therapie hoch ist. Aber reicht die bekannte, etablierte Therapie auch aus? Bei der Skoliose handelt es sich um eine progrediente Erkrankung. Daher ist das Ziel der konservativen Behandlung in erster Linie das Fortschreiten der Verkrümmung zu verhindern. Es sollen zudem eine Rückgrataufrichtung angestrebt und die Funktionsmöglichkeiten der Wirbelsäule verbessert werden (Weiss et al., 2011). In der Physiotherapie werden diese Ziele mit aktiven Maßnahmen verfolgt. Falls befürchtet wird, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen, z.B. bei einem Krümmungswinkel von über 20° bereits vor der Pubertät, wird auch mit Korsettversorgung gearbeitet. Die Korsettbehandlung wird in der Regel mit einer Trainingstherapie kombiniert. Das bekannteste Behandlungskonzept zur physiotherapeutischen Behandlung von Skoliose ist die dreidimensionale Skoliosebehandlung nach SCHROTH. Dieser Behandlungsansatz wurde bereits 1921 eingeführt und die Wirksamkeit wurde wissenschaftlich belegt (Weiss et al., 2011). Das Ziel dieses Konzeptes (Lehnert-Schroth, 2007) ist es, eine aktive Aufrichtung des Rumpfes zu erlangen und mit dieser Haltungskorrektur einerseits die Seitenkonturen und andererseits auch die Konturen der Vorder- und Rückseite der Patientinnen oder Patienten zu korrigieren. In erster Linie wird eine Haltungskorrektur angestrebt, indem die Patientin oder der Patient lernt, seine Abweichungen der Wirbelsäule von den drei Ebenen wahrzunehmen. Die Abweichungen werden aktiv korrigiert. Diese Korrektur gilt als Grundvoraussetzung für die weiteren Schritte der Behandlung. Lehnert-Schroth (n.d.) beschreibt, dass die aktive Korrektur durch die Kräftigung der aufrichtenden Muskulatur erfolgt. Wie steht es hierbei um Gerätetraining, Kraftsport, Fitness, Spiraldynamik, Powerplate oder Klettern? Wo liegen eventuell neue Therapieansätze und Ideen versteckt, was haben wir bereits als etablierte Verfahren erkannt und wer kann ab wann welche zusätzlichen Verfahren nutzen und wie? Ein bisschen Licht in das Wirrwar der Angebote zu bringen, soll der Vortrag versuchen.

Referent: Dr. Jaques Müller-Broich

Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Frankfurt a. Main

Wie funktioniert das und welche Operationsrisiken bestehen noch?

Die Skolioseoperation zur Aufrichtung der Skoliose wird seit vielen Jahren routinemäßig unter  Neuromonitoringbedingungen durchgeführt und bietet eine wesentliche Hilfestellung für den Operateur in der Beurteilung der speziellen Situation in allen wesentlichen Operationsabschnitten.

Aber was bedeutet Neuromonitoring eigentlich? Was sind MEP’s, SSEP’s und EMG? IONM?

Warum sollte ich keine Skolioseoperation ohne Neuromonitoring zulassen?

Kann eine Lähmung auch trotz Neuromonitoring auftreten?

Muß ich mich als Patient besonders vorbereiten?

Der Vortrag soll einen Überblick über die Grundlagen des Neuromonitorings geben und wichtige Aspekte wie anatomische und neuroanatomische Grundlagen, historische Gegebenheiten wie z.B. Aufwachtest, Technik und physikalische Grundlagen, Risiken der Operation und Durchführung des Neuromonitorings auf verständliche Art und Weise näherbringen. Auch wichtige Aspekte wie Anästhesie und weitere Besonderheiten, welche vom OP-Team beachtet werden, werden vermittelt.

Rückblick auf den Skoliosetag 2018 in Nürnberg

Vorträge am 10. Skoliosetag, Nürnberg, 22. September 2018

Wir veröffentlichen hier die Kurzfassungen aus dem Tagungsheft des Skoliosetages.

Referentin: Larissa Grassmann, Physiotherapeutin
Faszien Atelier, Nürnberg

Der Schlüssel für eine schmerzfreie und aufrechte Wirbelsäule liegt in der Kraft der geheimnisvollen, weißen Bänder unter der Haut. Skoliose hat ihr Krummsein satt! Sie möchte sich endlich schön fühlen, gerade sein und ohne Schmerzen leben. Dazu braucht sie jemanden, der Ihr Halt gibt und sie aufrichtet. Sie schlüpft in ihr bestes Korsett und verabredet sich mit gutaussehenden Muskeln und spießigen Knochen.

Doch schon bald merkt sie, dass Muskeln anstatt zu halten, sie eher erdrücken und Knochen einfach totlangweilig und spaßbefreit sind. Sogar unters Messer hat sie sich schon gelegt, um endlich Frieden mit ihren Kurven zu schließen. Frustriert schleudert sie ihr Korsett in die Ecke und holt erst mal tief Luft. Das bringt doch alles nichts! Als sie die Hoffnung schon aufgibt, hört sie eines Tages von dem neuen, smarten Superstar in der Körperwelt. Anschmiegsam, stark und kommunikativ soll er sein. Die Faszie. Sollte das etwa der ideale Partner sein, auf den sie so lange gewartet hat? Voller Neugierde verabredet sie sich zu einem Blind Date – und ist maßlos enttäuscht: Dieser unscheinbare, langweilige Typ, soll die Antwort auf all ihre Probleme sein? Wieso wird der gehandelt als ob er den Nobelpreis gewonnen hätte? Was kann diese Faszie ihr bieten, was die anderen ihr nicht bieten können?

Die Faszie macht sie auf etwas Wesentliches aufmerksam: Das Geheimnis der Leichtigkeit steckt im muskulären Bindegewebe, weil dieses für den inneren Halt und die äußere Form zuständig ist. Die richtige Kombination aus Atmung, Muskeltraining und Faszientherapie unterstützt die Wirkung der oft notwendigen Korsetttherapie. Die Stärkung eines positiven Körpergefühls steht dabei im Vordergrund. Dadurch kann in vielen Fällen eine deutliche Schmerzverringerung erzielt werden.

In der Therapie öffnen sich neue Türen: Spaß und Neugierde geht vor Leistungs- und Perfektionsanspruch. Erst dann wird die Formveränderung der Wirbelsäule zum Kinderspiel.

2. Welche Rechte habe ich als Patient?

Ansprüche auf Heil- und Hilfsmittel, Zweitmeinungen, Verfahrenshinweise
Referent: Andreas Wecks, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Sozialrecht, Nürnberg

Versorgungsamt: Widerspruch und Klage
Mein Antrag auf Feststellung einer Schwerbehinderung oder der Antrag auf Höherstellung des „GdB“ wurde abgelehnt.

Reha: Widerspruch und Klage
Mein Reha-Antrag ist abgelehnt. Was mache ich? Meine Reha ist bewilligt, aber ich bin einer Klinik zugewiesen, die sich mit Skoliose nicht auskennt. Kann ich mich dagegen wehren?

Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln: Widerspruch und Klage
Die Krankenkasse hat meinen Antrag auf langfristige Genehmigung der Physiotherapie abgelehnt. Was kann ich tun? Die Krankenkasse ist nicht bereit, die Kosten für ein neues Korsett zu übernehmen. Mein Orthopäde ist nicht bereit, mir Physiotherapie zu verschreiben. Habe ich Anspruch darauf? Hier: Schlichtung/Vermittlung

Krankenkassen: Genehmigungsfiktion – ein kurzes Verfahren
Nach mehr als 3/5 Wochen ist mein Antrag immer noch nicht entschieden. Was kann ich tun?

Zweitmeinung:
Kann ich mir vor der Operation, die mein Orthopäde empfohlen hat, eine Zweitmeinung einholen?

Patientenakte:
Habe ich Anspruch darauf, dass mir meine Röntgenbilder/Befunde/Messwerte ausgehändigt werden?

3. Depressionen durch Skoliose

Anzeichen und Behandlung

Referent: Dr. Bernhard Hain, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Psychiatrie
Fürst-Sitrum-Klinik, Bruchsal

Es werden die Einfluss-Faktoren für die Entstehung einer depressiven Erkrankung im Allgemeinen und bei Menschen mit Skoliose im Besonderen vorgestellt. An Hand von Zahlen der Krankheits-Inzidenz werden die besonderen Risiko-Faktoren bei Menschen mit Skoliose, insbesondere chronischer Schmerz, Stigmatisierung und Selbst-Stigmatisierung eingeschätzt. Möglichkeiten der Früh-Erkennung depressiver Symptome werden an Hand der wichtigsten Marker-Symptome und mit Hilfe von Symptom-Skalen dargestellt.

Günstige und ungünstige Coping-Mechanismen für Depression, Chronischen Schmerz und Stigmatisierung eröffnen Möglichkeiten der Krankheits-Prophylaxe. Die Bedeutung psychotherapeutischer und unterstützend medikamentöser Behandlungswege wird aufgezeigt.

4. Skoliose-OP

Was wird gemacht und was erwartet den Patienten?

Referenten: Prof Dr. Heiko Koller, Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie Vogtareuth, er wurde vertreten durch Priv.-Doz. Dr. Michael Mayer,
Dr. Klaus Schnake, Facharzt für Unfallchirurgie und Orthopädie Fürth

Wird eine Skoliose beim Kind diagnostiziert, bestehen die konservativen Behandlungsgrundlagen in der Einleitung einer Schulung der Eltern und des jungen Patienten, Physiotherapie, Ausschluss und ggf. Anpassung von Einlagen bei Beinlängendifferenzen und Festlegen eines fachärztlichen Observationsplans. Werden bei höhergradigen Krümmungen bereits Risikofaktoren für ein Fortschreiten definiert, dann kann die Korsett-Therapie notwendig sein. Sie dient dazu, die Skoliose initial partiell zu korrigieren und diese reduzierte Krümmung während des Wachstums bis zum Wachstumsabschluss zu halten. Ziel hierbei ist, die operative Therapie zu umgehen oder bei sehr jungen Patienten hinauszuzögern. Der Effekt der Korsett-Therapie ist bei richtiger Anwendung und guter Mitarbeit von Patient und Familie wissenschaftlich bewiesen.

Bei progressiven höhergradigen Skoliosen kann die operative Therapie notwendig sein. Ziel ist die Korrektur der Skoliose, das Aufhalten der Progredienz und die Wiederherstellung einer guten Balance und Kosmetik. Als Korrekturoperationen kommen dorsale und ventrale Verfahren zum Einsatz. Durch in die Wirbelkörper eingebrachte Schrauben in Verbindung mit Stäben können in geübter Hand beträchtliche Korrekturen einer Skoliose sicher erreicht werden. Bei schweren und hochgradigen Skoliosen kommen auch in Kombination Verfahren von hinten und vorn an der Wirbelsäule zum Einsatz. Je ausgeprägter die Skoliosen werden und je rigider (d.h. je eingesteifter) sie bereits sind, umso größer wird der operative Aufwand einer Skoliosekorrektur.

Beispiele operativ behandelter Fälle werden anhand ihrer Indikationen und Ergebnisse ausführlich diskutiert. Eine Besonderheit sind die mitwachsenden Stäbe, die bei Kindern eingesetzt werden können. Die Stäbe werden mittels Magneten ohne eine neuerliche Operation regelmäßig verlängert, um ein anhaltendes Wachstum der Wirbelsäule zu gewährleisten.