9. Skoliosetag des Bundesverbandes Skoliose-Selbsthilfe e. V. am 23.09.2017

Veranstaltungsort:
Mercure Hotel Bochum City,
Massenbergstraße 19-21, 44787 Bochum.


Programm:
9.00 Uhr Begrüßung
9.15 Uhr Langzeiterfahrung mit operierten Skoliosen - Was wird aus meinem Rücken nach 30 Jahren? (Vortrag mit anschließender Diskussion) Referentin: Prof. Dr. med. Viola Bullmann, Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie, Köln
10.45 Uhr Kaffeepause
11.00 Uhr Röntgen, EOS und 3-D-Vermessung - Möglichkeiten und Grenzen, Chancen und Risiken (Vortrag mit anschließender Diskussion)
Referent: PD Dr. med.Jan Siewe, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Köln
12.30 Uhr Mittagessen
14.00 Uhr Medical Taping - Möglichkeit der unterstützenden (Schmerz-)Behandlung von Skoliose? (Vortrag mit anschließender Diskussion)
Referentin: Christina Peter, Sportphysiotherapeutin, Enschede (NL)
15.15 Uhr Kaffeepause
15.30 Uhr Skoliose und Osteoporose - Verhängnisvolle Wechselwirkung? (Vortrag mit anschließender Diskussion)
Referent: Prof. Dr. med. Andreas Kurth, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Frankfurt/Oder
17.00 Uhr Ende der Veranstaltung
19.00 Uhr Abendessen

Hier geht es zu den Anmeldemodalitäten und zum Anmeldeformular.

Dies ist ein vorläufiges Programm. Änderungen einschließlich einer Verschiebung der Vortragszeiten bleiben vorbehalten.
Wir danken der    für die großzügige Förderung unserer Veranstaltung!

Vorträge, die am 8. Skoliosetag in Dresden am 24. September 2016 gehalten wurden

Wir veröffentlichen hier die Kurzfassungen aus dem Tagungsheft des Skoliosetages.

 1. Bewegungserhaltene Verfahren in der Wirbelsäulenchirurgie - Indikation, Möglichkeiten und Grenzen
Referent: Prof. Dr. med. Per Trobisch, Chefarzt Wirbelsäulenchirurgie Eifelklinik St. Brigida, Simmerath

Ziel der Skoliosebehandlung ist es, das Ausmaß bis zum Wachstumsabschluss möglichst in einem Bereich von unter 50° nach Cobb zu halten. Die klassischen Behandlungsmethoden zum Erreichen dieses Zieles sind die Korsettversorgung sowie verschiedene Formen physiotherapeutischer Maßnahmen. Gelingt das Aufhalten der Progredienz nicht, ist die sogenannte Goldstandard-Versorgung schließlich eine operative Korrekturspondylodese, d.h. eine Begradigung der Wirbelsäule mit anschließender Versteifung.
Obwohl die letzten Jahrzehnte diverse Innovationen hervorbrachten und die Versteifung heutzutage im Vergleich zu früher deutlich bessere Ergebnisse liefert, bleibt es eine Versteifung der Wirbelsäule.
Innerhalb der letzten Dekade wurden jedoch nun verschiedene Formen der bewegungserhaltenden, d.h. nicht versteifenden Operationstechniken entwickelt. Hier unterscheidet man zwei große Gruppen. Zur ersten Gruppe zählen Techniken, die bei sehr jungen Patienten (unter 8 Jahre) und sehr ausgeprägten Krümmungen angewandt werden. Insbesondere wenn die konservative Behandlung nicht mehr erfolgsversprechend ist, sollten Wachstumsstäbe, VEPTR, Shilla und ähnliche Verfahren eingesetzt werden. Bei der zweiten Gruppe handelt es sich um wachstumskorrigierende Verfahren. Das Vertebral Body Stapling sowie das Vertebral Body Tethering haben eine schrittweise Korrektur der Skoliose zum Ziel, ähnlich wie bei Begradigungen von X- oder O-Beinen.
Jedes dieser Verfahren hat Vor- und Nachteile, welche Ihnen ebenso wie der sehr enge Indikationsraum in einem ausführlichen Vortrag näher gebracht werden sollen.

 2. Korsettbehandlung der Skoliose - Möglichkeiten und Grenzen
Referent: Rainer Hilker, Orthopädietechniker Meister Orthopädietechnik Bauche GmbH, Neustadt i. H.

In der orthetischen Versorgung von Wirbelsäulendeformitäten sind klare Standards bekannt. Wie weit kann und muss die Orthopädietechnik bei schwierigen Krankheitsbildern schematisierte und bewährte Pfade verlassen, bzw. ist dies für die Behandlung der Skoliose sinnvoll und auch technisch möglich?
Was ist umsetzbar und welche Ergebnisse sind realistisch? Was können Versorgungsziele sein und ab welchem Verkrümmungsgrad und Ausmaß der Deformität kann eine erfolgreiche Versorgung nicht mehr realisiert werden? Welche Interessen gilt es dabei zu berücksichtigen?
Grenzwertige und damit nicht immer Erfolg versprechende Versorgungen müssen möglichst im Vorwege mit allen Beteiligten, auch mit dem Kostenträger, diskutiert werden und sollten vom Orthopädietechniker nach kritischer Diskussion mit dem weiteren Behandlerteam abgelehnt, oder auf einen Kompromiss geändert werden dürfen. Es gilt im Vorwege eine klare Aufgabenstellung im Behandlerteam zu erarbeiten und keine falschen Erwartungen zu wecken.
Der Autor zeigt in seinem Vortrag an Beispielen, wie weit individuelle handwerkliche Leistungen den Patienten helfen können. In langjähriger Zusammenarbeit mit der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie in der Schön Klinik Neustadt/Holstein, unter der Leitung von Prof. H. Halm und Prof M. Quante, wurden zahlreiche Versorgungen mit unterschiedlichen Erfolgen und Zielsetzungen durchgeführt.

 3. Selbstwahrnehmung von Skoliosepatienten - Umgang mit der Erkrankung:
die Ergebnisse einer Studie der Uniklinik Münster

Referent: Univ.-Prof. Dr. med. Tobias L. Schulte, Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie St.]osef-Hospital Bochum

Das gängigste Instrument zur Bewertung einer Skoliose ist der radiologische Cobb-Winkel. Der Verlauf einer Skoliosebehandlung sollte allerdings nicht ausschließlich anhand radiologischer Messparameter bewertet werden. Die Selbstwahrnehmung der Patienten und ihre Lebensqualität sind wesentliche Aspekte, die in der Betreuung der Patienten mehr Raum einnehmen sollten.
Im Englisch-sprachigen Ausland finden sich Skoliose-spezifische Fragebögen, die routinemäßig in der Behandlung von Skoliose—Patienten zum Einsatz kommen: Scoliosis Research Society Questionnaire SRS 22-r‚ Body Image Disturbance Questionnaire-Scoliosis BIDQS‚ Quality of Life Profile for Spinal Disorders QLPSD, Scoliosis Appearance Questionnaire SAQ, Trunk Appearance Perception Scale TAPS. Lediglich der SRS 22-r ist allerdings in deutscher Sprache validiert und im Einsatz.
Ziel der vorliegenden interdisziplinären Arbeit war die systematische Übersetzung des BIDQS, QLPSD, SAQ und TAPS ins Deutsche und die Validierung*) dieser Fragebögen. Dabei wurden Reliabilität*) (Cronbach’s alpha, Test-Retest-Reliabilität) und Validität*) (faktorielle, convergente, divergente, concurrente, discriminante Validität) berechnet und bewertet. ln einer groß angelegten Online-Studie an Skoliose-Patienten und gesunden Kontrollen konnten die systematisch übersetzten Fragebögen validiert werden.
Sie zeigten hohe Reliabilitäten und Validltäten. Fragebögen mit Bildern (SAQ und TAPS) zeigten deutlich höhere Korrelationen mit dem radiologischen Cobb-Winkel als solche ohne Bilder (BIDQS und QLPSD). Alle vier deutschsprachigen Fragebögen können ab sofort für den klinischen Alltag und ebenso für wissenschaftliche Arbeiten empfohlen werden. Sie ermöglichen eine über die bloße radiologische Bewertung einer Skoliose hinausgehende Objektivierung von Selbstbild und Lebensqualität der Patienten.

Anmerkung:
*) Validierung: Nachweis über die Einsatzeignung einer analytischen Methode.
*) Reliabilität (Zuverlässigkeit): Maß für die formale Genauigkeit bzw. Verlässlichkeit wissenschaftlicher Messungen.
*) Validität (Gültigkeit) gilt als das wichtigste Kriterium für die Güte von Modellen oder Testverfahren.

 4. Die neue Schroth-Klassifizierung - Erste Erfahrungen aus der Praxis
Referentin: Kathrin Otto, Asklepios Katharina-Schroth-Klinik Bad Salzungen

Bei der konservativen Schroth-Therapie steht der Patient in einem physiologisch-psycho-sozialem Modell im Mittelpunkt. Neben den funktionellen Beeinträchtigungen bei einer Skoliose stehen auch die psychologischen und sozialen Aspekte im Blickwinkel. Das Therapieziel ist die Verbesserung bzw. der Gewinn von Lebensqualität. Die Schroth—Therapie unterliegt auch wie vieles in der Physiotherapie dem Wandel der Zeit und entwickelt sich aufgrund neuer medizinischer Erkenntnisse stetig weiter.
Die neue Klassifikation der Skoliose-Muster und die neue Nomenklatur wurden internationalen Standards angepasst, um die konservative Therapiemöglichkeit nicht nur europa- sondern auch weltweit zu praktizieren.
Erste Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass wir Therapeuten in der Lage sind noch individueller auf unsere Patienten einzugehen. Patienten, die diese Therapie-Möglichkeit neu erlernen, sowie auch die Patienten, die sich mit den Neuheiten auseinandersetzen müssen, geben vorwiegend positive Rückmeldungen. Es zeigt sich, dass neue Korrekturen für die Patienten einfacher erlernbar sind. Die differenziert angewendeten Übungen geben Sicherheit und Kontinuität für das so wichtige Hausübungs-Programm unserer Patienten.