Die letzten Kolumnen aus dem "Lichtblick"Titel: Jung, dynamisch erfolglos? |
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(4.2011) Das ist ja wohl ein schlechter Scherz! Ich blinzle auf meinen Wecker und vor meinen Augen verschwimmen die Zahlen 4:30.
Warum in aller Welt soll ich denn freitagmorgens um diese Zeit aufstehen. Langsam dämmert es mir. Ich wollte heute doch
nach Berlin zum Skoliose-Jugendtag ...
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Auf einmal schlägt mein Herz bis zum Hals und ich stürme aus meinem Bett. Habe ich auch alles Wichtige gepackt?
Ich erinnere mich an die Worte meines Vaters: "Kind, Hauptsache du hast genug Geld dabei, der Rest wird eben gekauft!" Ja, Papa,
denke ich und frage mich gleichzeitig, ob ich meinen USB-Stick mit den wichtigsten Dateien und die ausgedruckten Fragebögen auch wirklich
eingepackt habe. Ich bezweifle ja nicht, dass man in Berlin so einiges kaufen kann, aber die Reisekostenabrechnung für die Jugendlichen?
Gerade noch so eingepackt.
Als sich der hartnäckige Schleier meiner Müdigkeit kurz lüftet finde ich mich in Berlin, in der Lobby unseres Hotels wieder
und höre nur, "Zimmer ... ab drei belegbar ... " Na super. Dann habe ich ja noch sechs Stunden. In Windeseile waren diese
auch verflogen (Bilder aufhängen, Anträge ausfüllen, Raum vorbereiten ... ). Dann schnell zum Bahnhof um die ersten
Jugendlichen abzuholen. Etwas in Trance höre ich "Der ICE Nummer 889 von München nach Berlin Hauptbahnhof hat 30 Minuten
Verspätung". Wenn man sich bei der Deutschen Bahn auf etwas verlassen kann, dann auf die Verspätung. Ich brauche einen Zauberer
und zwar dringend, da ich innerhalb von fünf Minuten an zwei Orten gleichzeitig sein müsste, um meine jugendlichen Teilnehmer einzusammeln.
Problemlösung, schnell!
Als wir uns nach dem Abendessen alle gut gelaunt in der Lobby treffen und ich in die erwartungsvollen Gesichter der Jugendlichen blicke, ist der
ganze Stress fast schon wieder vergessen. Kurze Stadtrundfahrt, Brandenburgertor, Schienenersatzverkehr ... Das Übliche. Im Schlaf zähle
ich immer noch meine Kinder: Alle da!
Der Samstag (und damit unser Jugendtag) zieht irgendwie an mir vorbei. Das merke ich vor allem bei dem Salsa-Tanzkurs. Ich bin mittlerweile massiv
schlafbedürftig und zähle im Bett mal wieder keine Schafe, sondern Jugendliche.
Am Sonntag um 13.30 Uhr bin ich froh und erleichtert, dass alle Jugendlichen zufrieden und wohlbehalten in die Züge eingestiegen sind.
Es war für uns alle ein erfolgreiches und zufriedenstellendes Wochenende gewesen. Das ist mein letzter Gedanke, als ich Sonntagnacht um
0.30 Uhr erschöpft einschlafe. Bis dahin, lassen Sie sich nicht unterkriegen!
Bis dahin lassen sie sich nicht unterkriegen
Ihre Carolin Reuschel
(3.2011) Heute einmal mit einer Geschichte mitten aus dem Leben. Aus nicht ganz geklärten Gründen fehlten mir plötzlich die Reflexe an
meinen Beinen. Ich konnte nur noch sehr mühsam gehen (was meine Mitbewohnerin sehr eindrucksvoll imitieren kann) und es ging mir wirklich
nicht gut.
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Ich wurde von Pontius nach Pilatus überwiesen: Urologe, Radiologe, Orthopäde, Neurologe, usw. die Liste schien nicht zu enden,
aber trotzdem konnte keiner wirklich feststellen, an was es denn nun liegen könnte. Die eigentliche Pointe der Geschichte steht aber noch aus:
Als mich meine Mitbewohnerin am Seminar, an dem ich studiere, mit den Worten "Die Caro hat es ganz arg im Rücken" abgemeldet hatte,
blickte sie in eine Runde von vielsagenden, grinsenden Gesichtern "Ah, im Rücken!"
Umso erstaunter war die Gruppe, als ich mich die Woche darauf wieder ins Seminar schleppte, denn als Gehen konnte man diese Fortbewegungsweise
wirklich nicht bezeichnen. Alle waren überrascht, dass es wirklich so schlimm war.
Haben Sie schon einmal Ähnliches erlebt? Ich kann nur aus eigener Erfahrung sprechen, aber bei Rückenschmerzen bin ich wirklich unausstehlich.
Man kann nicht stehen, aber sitzen ja auch nicht und beim Liegen drückt es auch. Was soll man da tun? Viele helfen sich dann einfach mit der einen
oder anderen Schmerztablette ab. Da ich aber scheinbar ein sehr empfindliches Pflänzchen bin, hauen die meisten Schmerzmittel mich sofort aus den
Latschen. Was hilft dann sonst noch? RUHE! Wer mich kennt, der weiß, dass das nicht gerade meine Stärke ist: Einfach einmal nichts zu tun.
Dann denke ich manchmal an Monika Lierhaus und an ihren ersten Auftritt nach ihrer schweren Zeit, bei dem sie sagte: "Herr, gib mir Geduld und
am besten sofort!"
Manchmal müssen wir einfach einen Gang herunterschalten und uns auch einmal Zeit für uns nehmen, denn wenn bei uns gar nichts mehr funktioniert,
dann können wir auch unserer Familie, unseren Freunden und allen in unserem Umfeld nicht mehr helfen. Deshalb: Nehmen Sie sich einen Stift und
knobeln Sie etwas an dem Sudoku, es ist dieses Mal wirklich einfach!
Bis dahin lassen sie sich nicht unterkriegen!
Ihre Carolin Reuschel
(2.2011) Zertifizierungen und Qualitätsstandards sind seit längerer Zeit - auch im medizinischen Sektor - in aller Munde
und auch der Vorstand des Bundesverbandes macht sich Gedanken, wie Standards für die Behandlung von Skoliosen lauten könnten.
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Ein Punkt ist, unter anderem, Qualitätsstandards für die Korsettversorgung zu erarbeiten, bei denen natürlich auch die
angestrebte Tragezeit benannt werden sollte. Dieser Gedanke kam mir in den Kopf, als ich das Sudoku für diese Ausgabe gemacht habe.
Ich habe ein Programm, mit Hilfe dessen man Sudokus erstellen kann. Das Programm sagt mir dann sogar, ob das Sudoku schwierig oder einfach zu
lösen ist. Trotz allem löse ich das Sudoku immer selbst, um sicher zu gehen, dass es nicht zu schwierig oder zu einfach ist.
Die Erstellung dieses Sudokus hat dieses Mal länger als eine Stunde gedauert. Erst das 4. Sudoku, das ich erstellt habe, schien mir für den
Lichtblick geeignet und nicht zu schwer zu sein, obwohl das Programm für alle denselben Schwierigkeitsgrad (nämlich einfach) angegeben hatte.
Was hat ein Sudokuprogramm nun mit Qualitätsstandards in der Korsettversorgung zu tun? Das meistgenannte Argument, warum die Empfehlungen für die
Tragezeit nicht mehr 22 bis 23 Stunden, sondern mind. 16 Stunden beträgt, ist folgendes: Die Jugendlichen schaffen es sowieso nicht, das Korsett
22/23 Stunden zu tragen und sind dann entmutigt und resigniert und tragen das Korsett in der Folge noch weniger. Am Anfang habe ich mich gegen
dieses Argument mit Händen und Füßen gewehrt, aber langsam stellt sich mir die Frage, ob man wirklich alle Korsettpatienten über
einen Kamm scheren kann und die Tragedauer für alle gleich ansetzt, oder ob es nicht viel sinnvoller wäre, individuell, nach der Motivation
und Bereitschaft des einzelnen Betroffenen zu entscheiden. Nicht jeder Jugendliche kann ein Korsett 23 Stunden am Tag tragen genauso, wie nicht
jedes - angeblich einfache - Sudokurätsel in fünf Minuten gelöst werden kann. Macht es dann nicht mehr Sinn auf den Patienten einzugehen, m das bestmögliche
Ergebnis zu erzielen?
Ihre Meinung zu diesem Thema würde mich wirklich interessieren. Ich konnte für mich jedenfalls noch keine eindeutige Position finden.
Bis dahin lassen sie sich nicht unterkriegen
Ihre Carolin Reuschel
(1.2011) Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus und solch ein großes Ereignis steht dem Bundesverband Skoliose
dieses Jahr bevor: unser 40. Geburtstag! Solch ein Großereignis möchte natürlich gewissenhaft vorbereitet sein und wir im Vorstand
sind auch schon gut damit beschäftigt. Parallel zum diesjährigen Skoliosetag und der Mitgliederversammlung findet auch wieder ein
überregionaler Jugendtag statt...
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Das Motto (und wie könnte es auch anders sein): BERLIN! BERLIN! WIR FAHREN NACH BERLIN! Ich kann es natürlich jetzt
schon wieder kaum abwarten, wie viele Jugendliche sich dieses Mal anmelden werden. Werden wir die magische 10'er Hürde dieses Mal
überspringen können? Auf Grund dessen ein Aufruf an alle Jugendlichen:
Bitte kommt und meldet Euch an, sobald die Anmeldung freigeschaltet ist! Wir werden sicherlich eine Menge Spaß haben! Ihr
könnt mir auch gern Programmwünsche mitteilen, über Anregungen bin ich immer sehr dankbar!
Die große Jubiläumsveranstaltung in Berlin ist aber nicht das Einzige, was mir manchmal etwas Sorgen bereitet. Ich habe - beeinflußt
durch die Internetanfragen und Gespräche mit jugendlichen Skoliosepatienten - das Gefühl, dass die Null-Bock-Einstellung in Bezug auf
die Skoliose sich immer stärker verbreitet. Korsett? Kein Bock! Krankengymnastik? Kein Bock! Mich um mich und meinen Körper und somit
meine Zukunft kümmern? Kein Bock!
Come on! Was ist nur los mit Euch? Ich kann es sehr gut verstehen, dass man im Leben manchmal ganz andere Probleme neben der Skoliose
bewältigen muss, aber leider wird die Skoliose vom Ignorieren nur selten besser! Man muss schon auch Verantwortung für sich selbst
übernehmen und dazu gehört auch manchmal, in den sauren Apfel zu beißen und Krankengymnastik zu machen, Korsett zu tragen oder
sich operieren zu lassen.
Verdrängen hilft meistens auf lange Sicht nicht weiter.
Bis dahin lassen sie sich nicht unterkriegen
Ihre Carolin Reuschel
